Category Archives: BriefmarkenDocs

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Michail Afanassjewitsch Bulgakow

Michail Afanassjewitsch Bulgakow (russisch Михаи́л Афана́сьевич Булга́ков, wissenschaftliche Transliteration Michail Afanas’evič Bulgakov; * 3. Maijul. / 15. Mai 1891greg. in KiewRussisches Kaiserreich; † 10. März 1940 in MoskauSowjetunion) war ein russischer und sowjetischer Schriftsteller. Er gilt als einer der großen Satiriker der russischen Literatur. Zu seinen Hauptwerken zählt der Roman Der Meister und Margarita, der 1966 postum stark zensiert erschien. Die herausgekürzten Teile wurden als Samisdat verbreitet und trugen so zu seiner Popularität bei.

Michail Bulgakow wurde 1891 als Sohn von Afanassi Iwanowitsch Bulgakow, einem Dozenten der Kiewer Theologischen Akademie, und dessen Frau Warwara Michajlowna (geborene Pokrowskaja) geboren und im selben Jahr in der Podiler Kreuzerhöhungskirche getauft. Nach dem Abitur am Kiewer Ersten Gymnasium 1909 schrieb er sich an der Medizinischen Fakultät der Kiewer Universität ein. 1916 erhielt er das Diplom eines Arztes und trat eine Stelle auf dem Land im Gebiet Smolensk an, bevor er in dem Ort Wjasma praktizierte. 1913 heiratete er Tatjana Nikolajewna Lappa (russisch Татьяна Николаевна Лаппа).

Ende Oktober 1921 zog Bulgakow nach Moskau und begann, für eine Reihe von Zeitungen (Sirene, Arbeiter) sowie Zeitschriften (Der Medizinische Arbeiter, Russland‚ Wiedergeburt) zu arbeiten. In dieser Zeit publizierte er vereinzelte Prosastücke in der in Berlin erscheinenden Exilantenzeitung Am Vortag. Zwischen 1922 und 1926 druckte die Sirene mehr als 120 seiner Reportagen, Essays und Kolumnen. Bulgakow trat 1923 dem Allrussischen Schriftstellerverband bei.

Im Jahre 1924 traf er Ljubow Jewgenjewna Belosjorskaja (russisch Любовь Евгеньевна Белозёрская), die er im Jahr darauf heiratete. 1928 bereiste das Paar den Kaukasus und besuchte die Städte TiflisBatumiWladikawkas und Gudermes. In Moskau fand im selben Jahr die Premiere von Багровый остров (Blutrote Insel) statt. Der Autor entwickelte in dieser Zeit die ersten Ideen zu Der Meister und Margarita und begann die Arbeit an einem Stück über Molière mit dem Titel Кабала святош (Sklaverei der Frömmler). 1929 begegnete er Jelena Sergejewna Schilowskaja, die 1932 seine dritte Frau wurde.

In dem zum Teil autobiografischen Roman Die weiße Garde aus dem Jahr 1924 beschreibt Bulgakow am Beispiel der Kiewer Familie Turbin die chaotische Umbruchzeit, die auf Oktoberrevolution und den Zerfall des Russischen Reichs folgte. Auf dem Roman basiert auch Bulgakows Theaterstück Die Tage der Turbins, das am 5. Oktober 1926 in Moskau uraufgeführt wurde. Bekannter ist Bulgakow jedoch für seine groteske Darstellungen des Alltagslebens in der jungen Sowjetunion mit oftmals fantastischen oder absurden Zügen – in der russischsprachigen Literatur seit Gogol eine typische Art, Gesellschaftskritik zu üben. Die Erzählung Hundeherz entstand bereits 1925, wurde in der Sowjetunion jedoch erst 1987 publiziert.

Der Meister und Margarita

Das bekannteste Werk Bulgakows ist Der Meister und Margarita, eine satirisch-groteske Aufnahme des Faustmotivs, eine Reise durch die Zeiten. Das Werk erschien gedruckt erstmals 1966/67 in Fortsetzungen in der Literaturzeitschrift Moskwa, fast 30 Jahre nach dem Tod des Autors, in gekürzter Fassung. Die ungekürzte Version erschien in Buchform erstmals 1973. Kurz nach der sowjetischen Erstveröffentlichung wurde der Roman 1968 in der deutschen Übersetzung von Thomas Reschke in der DDR veröffentlicht. Im Protest zum Stalinismus, in dessen Zeit der Roman verfasst worden war, kritisiert er den dialektischen Materialismus und den militanten Atheismus, wie er in der Sowjetunion zum Ausdruck kam.[3]

Einige Kritiker halten das Buch für den besten russischen Roman des 20. Jahrhunderts. Er stand vom 29. April bis zum 5. Mai 1968 auf dem Platz 1 der Spiegel-Bestsellerliste.

https://www.deutschlandfunk.de/vor-125-jahren-geboren-der-sowjetische-schriftsteller-100.html

https://de.wikipedia.org/wiki/Michail_Afanassjewitsch_Bulgakow

https://en.wikipedia.org/wiki/Mikhail_Bulgakov


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Adamantios Korais

Adamantios Korais (griechisch Αδαμάντιος Κοραής – Adamántios Koraís, auch Koraés; * 27. April 1748 in SmyrnaKleinasienOsmanisches Reich; † 6. April 1833 in Paris) war ein griechischer Gelehrter und Schriftsteller. Korais gilt als Reformator der griechischen Literatur.

Korais wurde in Smyrna geboren, sein Vater stammte aber von der Insel Chios, und Korais fühlte sich der Insel sehr verbunden. Korais absolvierte die Evangelische Schule von Smyrna und verbrachte den größten Teil seines Lebens nicht in Griechenland, sondern in Westeuropa. Er beschäftigte sich früh mit dem Studium der alten und neuen Sprachen, lernte dann auf den Wunsch seines Vaters in Amsterdam den Beruf des Kaufmanns. Er studierte ab 1782 in Montpellier die Fächer Medizin und Naturgeschichte. Korais ließ sich im Jahre 1788 in Paris nieder, um sich ganz der Literatur zu widmen. Er ließ sich zwar in Frankreich einbürgern, blieb aber dennoch seiner griechischen Herkunft treu. Korais beschäftigte sich mit der Kirche, Schule, Wissenschaft und Politik. Von Paris aus kämpfte er mit Wort und Schrift für die geistige Wiedergeburt Griechenlands.

Adamantios Korais – Zante Ferries

Sein Hauptziel war die Heranbildung einer nationalen, griechischen Allgemeinsprache zu einer Schriftsprache; die von ihm hierfür aufgestellten Normen sind noch heute im Wesentlichen die maßgebenden. Korais versuchte das Bewusstsein der Griechen auf ihr geschichtliches Erbe, ihren hellenistischen Ursprung, zu wecken. Er stellte fest, dass die Allgemeinbildung der Schlüssel für das unabhängige Griechenland ist. Vor allem aber ist Korais für seine entscheidende Rolle in der griechischen Sprachfrage bekannt: Er versuchte einen Mittelweg zwischen der antikisierenden Hochsprache und der Volkssprache zu gehen und ging als Erfinder der Katharevousa (= die Reine; die gereinigte Volkssprache) in die griechische Sprachgeschichte ein.

Korais kritisierte in seinen Briefen und Publikationen die griechisch-orthodoxe Kirche, die das Leben seiner Landsleute im Osmanischen Reich beherrschte. Die Kirche lehnte ein unabhängiges Griechenland strikt ab. Das Fachwissen Korais über das klassische Altertum entstand durch das Studium der Ausgaben altgriechischer Schriftsteller. Seine Marmorbüste schmückt das Lykeion auf der griechischen Insel Chios, dem Korais seine wertvolle Bibliothek vermacht hat, die heutige, nach ihm benannte, Korais-Bibliothek (Δημόσια Κεντρική Ιστορική Bιβλιοθήκη Χίου Κοραή).

Adamantios Korais starb am 6. April 1833 in Paris und wurde auf dem Cimetière Montparnasse (Division 2) beerdigt. 1877 wurde er auf Wunsch des griechischen Königs Georg I. umgebettet und hat jetzt ein Ehrengrab auf dem Ersten Friedhof von Athen. 1895 wurde ihm zu Ehren an Stelle seines Grabes auf dem Friedhof Montparnasse ein Kenotaph errichtet.

Nach ihm benannt ist der Lehrstuhl für Byzantinistik und Neogräzistik am King’s College London, der Koraes Professor of Modern Greek and Byzantine History, Language and Literature.


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Gottfried Benn

Gottfried Benn (* 2. Mai 1886 in Mansfeld bei PutlitzPrignitz; † 7. Juli 1956 in Berlin) war ein deutscher DichterEssayist und Arzt. Er wuchs als Sohn eines Theologen in einem Pfarrhaus auf. Nach einem abgebrochenen Studium der Theologie schloss er erfolgreich das Medizinstudium ab. 1912 erschien der erste Gedichtband Morgue und andere Gedichte, welcher wegen der drastischen Themenwahl und saloppen Ausdrucksweise einen Skandal provozierte und den Autor als Vertreter der neu aufkommenden expressionistischen Lyrik schlagartig bekannt machte.

Mit dem 1916 erschienenen Novellenband Gehirne verfasste er einen bedeutenden Beitrag zur expressionistischen Kleinprosa. Die Zivilisationskritik der Morgue-Gedichte verfolgte er fortan in seinem essayistischen Werk. In Das moderne Ich widmete er sich der Frage nach der Stellung des Individuums in der Gesellschaft.

Gottfried Benn gilt als einer der bedeutendsten deutschen Dichter der literarischen Moderne. Ein erstes Mal betrat er die literarische Szene als Expressionist mit seinen Morgue-Gedichten, die mit herkömmlichen poetischen Traditionen radikal brachen und in denen vor allem Eindrücke aus seiner Tätigkeit als Arzt starken Niederschlag fanden. Sektionen und Krebs- und Geburtsstationen werden scheinbar emotionslos beschrieben, und romantische Titel wie Kleine Aster wecken Erwartungen, die dann krass enttäuscht werden.

Die Rechte am Werk liegen heute beim Klett-Cotta Verlag.

Gottfried Benn legt im Namen der Dichter-Akademie einen Kranz am Grab von Arno Holz nieder (1933), Aufnahme aus dem Bundesarchiv

Von Anbeginn an verfasste Benn essayistische, poetisch avantgardistische und autobiographische Prosawerke. Nach 1945 überraschte er die Öffentlichkeit mit dem Roman des Phänotyp, an dem er spätestens seit 1944 arbeitete

Dr. Gottfried Benn in seinem Berliner Büro am 18.8.1953. (imago / United Archives International)

https://de.wikipedia.org/wiki/Gottfried_Benn

https://www.deutschlandfunk.de/der-gottesleugner-gottfried-benn-das-gezeichnete-ich-102.html


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Salvador Allende

Salvador Guillermo Allende Gossens [salβaˈðoɾ ɣiˈjeɾmo aˈjende ˈɣosens] (* 26. Juni 1908 in Valparaíso; † 11. September 1973 in Santiago de Chile) war ein chilenischer Arzt und Politiker. Von 1970 bis 1973 war er Präsident von Chile. Seine Präsidentschaft war der Versuch, auf demokratischem Wege eine sozialistische Gesellschaft in Chile zu etablieren. Allende wurde durch einen Militärputsch im Jahr 1973 gestürzt, in dessen Verlauf er sich das Leben nahm.

Allende begann in den späten 1920er Jahren als Medizin-Student der Universidad de Chile politisch aktiv zu werden. Er beteiligte sich an Protesten gegen die Diktatur von Oberst Carlos Ibáñez del Campo und wurde zum stellvertretenden Präsidenten der Föderation chilenischer Studenten (FECH) gewählt. 1929 trat er sowohl den Freimaurern[5] als auch der Gruppe „Avance“ („Vorwärts“) bei.[6] In beiden Organisationen knüpfte er wichtige Kontakte für seine spätere politische Laufbahn.

Nach der Niederschlagung eines von Marmaduque Grove angeführten Aufstandes gegen die Ibáñez-Diktatur wurde Allende verhaftet, später jedoch wieder freigelassen. Kurz darauf wurde er Sekretär der 1933 gegründeten Sozialistischen Partei für die Region Valparaíso.

1952 war Allende erstmals Präsidentschaftskandidat, belegte aber nur den vierten Platz. 1954 bekleidete er das Amt des stellvertretenden Senatspräsidenten. 1958 war er wieder Präsidentschaftskandidat des Linksbündnisses Frente de Acción Popular (FRAP), unterlag jedoch sehr knapp dem von den Rechtsparteien unterstützten Unternehmer Jorge Alessandri Rodríguez. 1964 kandidierte er erneut für das Präsidentenamt, unterlag aber deutlich dem Christdemokraten Eduardo Frei. Grund für diese letzte Wahlniederlage war, dass die konservativen Parteien in letzter Minute den eher progressiven Frei unterstützten, sowie die massive Unterstützung der Christdemokraten durch die CIA[7].

1966 wurde Allende zum Senatspräsidenten gewählt. 1968 wurde sein Rücktritt gefordert, als er die Überlebenden der Guerillatruppe um Che Guevara in Bolivien unter seinen persönlichen Schutz stellte. Im gleichen Jahr verurteilte er den sowjetischen Einmarsch in Prag.

Namensgeber

Nach dem Ende der Militärdiktatur in Chile wurde Allendes Leichnam von Valparaíso, wo man ihn nach dem Putsch unter Ausschluss der Öffentlichkeit beerdigt hatte, nach Santiago de Chile überführt und dort auf dem Hauptfriedhof beigesetzt. An der Beerdigung nahmen mehrere hunderttausend Menschen teil. Eine Statue Allendes befindet sich neben dem Präsidentenpalast La Moneda.

Salvador Allende wurde nach seinem Tod vor allem in den sozialistischen Staaten Europas geehrt. Im Berliner Bezirk Köpenick ist das Salvador-Allende-Viertel nach ihm benannt. Auch in Wittenberge (Brandenburg) gibt es ein Allendeviertel. In der Universitätsstadt Greifswald führte in der DDR die Betriebsberufsschule des VEB Kombinat Ingenieur-Tief- und Verkehrsbau Rostock den Namen Dr. Salvador Allende. Auf dem Schulhof befand sich ein „Allende-Gedenkstein“. Diese Bildungseinrichtung wurde nach der Wende aufgelöst. Zwei der ehemaligen Gebäude wurden zu einem Studentenwohnheim sowie Requisitenlager des Theaters umfunktioniert, vor dem sich der Gedenkstein befindet. In Jena ist ein Platz im Stadtteil Lobeda-Ost und in BautzenChemnitzLudwigsfeldeMagdeburgNeubrandenburgRostockFrankfurt (Oder)WaltershausenWeimarWittenberge und Zwickau sind Straßen nach Allende benannt. In Bernburg (Saale) in Sachsen-Anhalt wurde 1973 das damals neue Wohngebiet am Kirschberg Dr.-Salvador-Allende-Siedlung genannt und eine Gedenktafel an der Ecke zur Dr.-John-Rittmeister-Straße aufgestellt, welche 2007 „auf unbestimmte Zeit […] eingelagert“ wurde.[33] Die Sekundarschule in Klötze (Sachsen-Anhalt) trägt den Namen „Dr. Salvador Allende“,[34] ebenso eine Grundschule in Chemnitz.[35] Eine Grundschule in Rheinsberg (Brandenburg)[36] trug bis 2018 seinen Namen.[37]

In der Bundesrepublik wurde in der Hansestadt Hamburg 1983 der ehemalige Bornplatz in Allende-Platz umbenannt. Er befindet sich neben dem Gelände der Universität Hamburg in unmittelbarer Nähe der ehemaligen Talmud-Tora-Schule. In Oer-Erkenschwick nennt die Sozialistische Jugend Deutschlands – Die Falken ihre Bildungsstätte seit deren Eröffnung Ende der 1970er Jahre Salvador-Allende-Haus. Auch in BerlinBremen und Frankfurt am Main gibt es eine Salvador-Allende-Straße. In Berlin gibt es darüber hinaus das Salvador-Allende-Viertel.

https://de.wikipedia.org/wiki/Salvador_Allende

https://en.wikipedia.org/wiki/Salvador_Allende


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Friedrich Schiller

Friedrich Schiller, porträtiert von Ludovike Simanowiz im Jahr 1794

Johann Christoph Friedrich Schiller, ab 1802 von Schiller (* 10. November 1759 in Marbach am Neckar; † 9. Mai 1805 in Weimar), war ein deutscher DichterPhilosophHistoriker und Arzt. Er gilt als einer der bedeutendsten deutschsprachigen DramatikerLyriker und Essayisten.

Friedrich Schiller war der einzige Sohn eines auch als Wundarzt tätigen württembergischen Offiziers und wuchs mit seinen fünf Schwestern in Schwäbisch GmündLorch und später in Ludwigsburg auf. Dort besuchte er die Lateinschule und begann nach viermaligem Bestehen des Evangelischen Landesexamens am 16. Januar 1773 das Studium der Rechtswissenschaften auf der Karlsschule. Drei Jahre später wechselte er zur Medizin und wurde 1780[1] darin promoviert. Gleich mit seinem Theaterdebüt, dem 1782 uraufgeführten Schauspiel Die Räuber, gelang Schiller ein bedeutender Beitrag zum Drama des Sturm und Drang und der Weltliteratur.

Schiller auf der Flucht mit seinem Freund Andreas Streicher
Schiller als Regimentsarzt 1781/1782, auf einem Gemälde von 
Philipp Friedrich Hetsch
The Schillerhaus in 2009 | Leipzig

https://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_Schiller

https://en.wikipedia.org/wiki/Friedrich_Schiller


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Al-Kindi

Abū (Yūsuf) Yaʿqūb ibn Ishāq al-Kindī (arabisch أبو يوسف يعقوب بن إسحاق الكندي, DMG Abū Yūsuf Yaʿqūb bin Isḥāq al-Kindī),[1] kurz al-Kindī, deutsch auch Alkendi, latinisiert Alkindus (* um 800 in Kufa; † 873 in Bagdad), war ein arabischer PhilosophWissenschaftlerMathematikerArztMusiker und Schriftsteller.

Philosophiegeschichtlich wichtig ist er – neben eigenen Beiträgen – auch wegen seiner Übersetzungstätigkeit. Im Haus der Weisheit in Bagdad ließ er zahlreiche Schriften u. a. von AristotelesPlatonAlexander von Aphrodisias und Johannes Philoponos ins Arabische übersetzen. Besonders Aristoteles’ naturphilosophische Schriften wurden von ihm rezipiert. Seine Abhandlung Über den Intellekt wurde über Jahrhunderte von arabischen und lateinischen Intellektuellen breit rezipiert. Auch theologische Debatten wurden von seinen Konzepten beeinflusst.

Die erste Seite al-Kindīs Manuskript über die Kryptanalyse

Abū Yaʿqūb ibn Ishāq al-Kindī (vom Stamme der Kinda) war arabischer Abstammung und wurde von seinen vielen nichtarabischen Genossen und Kollegen deshalb „der arabische Philosoph“ genannt. Er selbst führt seinen Stammbaum auf die alten Kinda-Fürsten zurück, was nicht nachweisbar ist, aber darauf hindeutet, dass er aus einer wohlhabenden Familie stammte. Er wurde um 800 in Kufa geboren, wo sein Vater Statthalter war. Der erwähnte Reichtum seiner Ahnen führte einerseits zu einem sehr gebildeten und bewanderten Stamm, wovon al-Kindī in seiner Ausbildung profitierte, als auch später zu der Möglichkeit, sehr viele Übersetzer beschäftigen zu können. Den größten Teil seines Lebens verbrachte er in Bagdad, das damals das kulturelle Zentrum der islamischen Welt war und es ihm ermöglichte, sich mit den verschiedensten Kulturen und Lehren auseinanderzusetzen. So gilt er auch als einer der ersten großen „Übersetzer“, da er einen Großteil des Werkes von AristotelesPlaton und des Neuplatonismus übersetzen ließ. Al-Kindī selbst baute darauf seine eigenen Werke auf. Er hatte Zugang zum Hof des Kalifen, auch wenn nicht überliefert ist, in welcher Stellung. Zeitweise dürfte er auch in Ungnade gefallen sein, seine Bibliothek war eine Zeit lang konfisziert und das Fehlen seiner genauen Geburts- und Todesjahre deutet darauf hin, dass er in untergeordneter Stellung gestorben sein dürfte.

Bekannt war er aber nicht nur als Philosoph, sondern auch als Arzt, medizinischer Schriftsteller[2] und Pharmakologe[3] (von Alchemie hingegen hielt er wenig), AstrologeMathematikerPhysikerGeograph und Prinzenerzieher am Hofe al-Ma’mūns. Lange Zeit galt er auch als Theologe, vor allem wegen seiner Versuche, Philosophie und Religion zu einen. Tatsächlich stand er der mu’tazilistischen Schule sehr nahe – oder eher diese ihm, da sie als rationalistisch orientierte Islam-Schule bekannt ist. Al-Kindī starb vermutlich um das Jahr 870 herum. In der Forschung variieren die entsprechenden Annahmen von 866 über „nach 870“ bis 873.[4]

Fälschlicherweise wurde al-Kindī auch der von Petrus von Toledo übersetzte, dem 9. Jh. entstammende fiktive Dialog „Apologie des al-Kindī“ zugeschrieben, in dem der Christ ʿAbd al-Masīḥ ibn Isḥāq al-Kindī in polemisch-apologetischem Stil das Christentum verteidigt. Aufgrund dieser Zuschreibung stand dieser Dialog in hohem Ansehen

https://de.wikipedia.org/wiki/Al-Kind%C4%AB

https://en.wikipedia.org/wiki/Al-Kindi


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Friedrich Joseph Laurentius Haass

Friedrich Joseph Laurentius Haass (russisch Фёдор Петрович Гааз/Fjodor Petrowitsch Gaas; * 10. August 1780 in MünstereifelHerzogtum Jülich; † 16. Augustjul. / 28. August 1853greg. in Moskau) war ein deutsch-russischer Mediziner, genannt der „heilige Doktor von Moskau“. Insbesondere betreute er dort über 25 Jahre lang Strafgefangene seelsorgerisch, sozial und medizinisch. Dabei trat er praktisch für eine Humanisierung des Strafvollzugs ein.

Haass, Sohn des Apothekers Peter Haass und Enkel des „Chirurgus auf dem Thurnmarkte“ zu Köln Wilhelm Anton Haass, studierte nach Abschluss der Schule an der unter Napoleon begründeten Ecole Centrale in Köln und an den Universitäten in Jena und Göttingen Germanistik, Philosophie und Medizin. In Göttingen erfolgte seine Promotion zum Doktor der Medizin und Chirurgie. In Wien ließ er sich zum Augenarzt ausbilden. Einer seiner ersten Patienten als Hausarzt der russischen Fürstin Varvara Alekseevna Repnin war deren Vater, der unter einer schweren Augenkrankheit litt.[1] Dieser erkannte Haass’ Begabung und bat den jungen Arzt nach Russland. Dieser erschien 1806 als Fjodor Petrowitsch Gaas in Moskau. Bereits 1807 wurde er zum Chefarzt der renommierten Pawlowskaja Klinik (Pauls-Krankenhaus) ernannt.

Ab 1828 widmete er sich als Mitglied des Moskauer Gefängnisschutzkomitees 25 Jahre lang der Fürsorge um die Gefangenen, die nach Sibirien verbannt worden waren[3]. Er war fest davon überzeugt, dass der Mensch von Natur aus gut sei, weil Gott ihn nach seinem Abbild schuf. Daher sei ein Mensch, der vom rechten Wege abgekommen sei, nichts weiter als ein unglücklicher, kranker Mensch, der nur durch Humanität zu heilen sei. Dieses positive Menschenbild lernte er vor allem durch Franz von Assisi und Franz von Sales kennen, dessen Schriften er zu seinen Lieblingsbüchern zählte, vor allem dessen theologisches Hauptwerk „Abhandlung über die Gottesliebe“. In einem Brief an den Philosophen Friedrich Wilhelm Joseph von Schelling vom 31. Dezember 1843 empfiehlt er diesem dringend, die Werke des heiligen Franz von Sales zu lesen. Schelling nennt er darin „meinen geliebten deutschen Lehrer“ und Franz von Sales „meinen geliebten Mentor und Erzieher“. Aus seinem Testament geht hervor, dass Haass im Besitz von Reliquien des heiligen Franz von Sales war, die er einer katholischen Kirche in Irkutsk vermachte.

Gedenktafel für Friedrich-Joseph-Haass am Haus des erzbischöflichen Generalvikariats Marzellenstr. 32 in Köln. Entwurf: Herbert Halfmann, Düren. Höhe 140 cm. Aufgestellt 2002.

1836 setzte er eine Verordnung durch, die schweren Eisenfesseln der Gefangenen durch leichtere, innen mit Leder ausgelegte zu ersetzen, die nicht mehr die Füße der Gefangenen bis auf das Blut durchscheuerten. Die Fesseln tragen den Namen Haass’sche Fesseln. Daran erinnern die überdimensionalen Metallfesseln an seinem Grab. 1841 verfasste er ein ABC der christlichen Sittsamkeit […], das er drucken ließ und an deportierte Straftäter verteilte. 1843 wurde ein später „Alexander-Krankenhaus“ genanntes Polizei-Häftlingskrankenhaus für Obdachlose eröffnet, das durch Haass’ komplettes Privatvermögen und private Spenden finanziert wurde. Während der Choleraepidemie 1848 in Moskau organisierte er zusammen mit der Philanthropin Sofija Stepanowna Schtscherbatowa die Nikolskoje-Gemeinschaft zur Hilfeleistung für Bedürftige. Schwestern dieser Gemeinschaft setzten ihre Tätigkeit während des Krimkrieges fort.[4] Bis zu seinem Lebensende lebte und arbeitete Haass in diesem vom Volksmund auch als „Haass’sches Krankenhaus“ oder „Haassovka“ bezeichnetem Krankenhaus.[5] Ende Juli 1853 erkrankte Haass und verfasste ein ausführliches Testament. Er starb am 16. August 1853 und wurde am 19. August zu Grabe getragen.[6] Zu seiner Beerdigung auf dem Moskauer Wwedenskoje-Friedhof kamen 20.000 Menschen. Der Grabstein ist lateinisch beschriftet und trägt auf Russisch das Haass-Zitat: „Beeilt euch Gutes zu tun“.

  • Anlässlich des 200. Geburtstags des Mediziners gab die Deutsche Bundespost eine Sonderbriefmarke im Wert von 60 Pfennig heraus
  • Die Deutsche Schule Moskau trägt seit 27. Mai 1989 den Namen „Deutsche Schule Moskau – Friedrich Joseph Haass“.
  • Das Deutsch-Russische Forum verleiht seit 1995 jährlich den Dr.-Friedrich-Joseph-Haass-Preis an Personen, die sich um die deutsch-russischen Beziehungen verdient gemacht haben. Preisträger sind z. B. Michail Sergejewitsch GorbatschowEgon Bahr.
  • Der Russe Lew Sinowjewitsch Kopelew, Förderer der Deutsch-Russischen Verständigung und 1947–1954 selbst Strafgefangener im Gulag, der nach seiner Ausbürgerung und bis zu seinem Tod in Köln lebte, schrieb 1984 ein Buch über Haass.
  • Am 16. April 2016 wurde in der Moskauer Helikon-Oper eine Opern-Kollage mit dem Titel Doktor Haas in 11 Episoden uraufgeführt. Komponist war der 27-jährige Alexej Sergumin, das Libretto verfasste die Schriftstellerin Ljudmila Ulizkaja

https://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_Joseph_Haass

https://en.wikipedia.org/wiki/Friedrich_Joseph_Haass


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Juscelino Kubitschek

Juscelino Kubitschek de Oliveira (* 12. September 1902 in Diamantina; † 22. August 1976 bei Resende) war ein brasilianischer Arzt und Politiker (PP, PSD). Er war von 1956 bis 1961 Staatspräsident von Brasilien

Kubitschek studierte an der Universität von Minas Gerais Medizin und war nach Abschluss seines Studiums in Krankenhäusern in ParisWienBerlin und in Brasilien tätig. 1933 wurde er in die brasilianische Abgeordnetenkammer gewählt. Nach einem Staatsstreich 1937 und der Einrichtung des Estado Novo durch Getúlio Dornelles Vargas verlor Kubitschek seinen Sitz. Im Jahre 1939 wurde er Bürgermeister von Belo Horizonte, der Hauptstadt von Minas Gerais. Von 1946 bis 1950 war er erneut Abgeordneter und danach bis 1955 Gouverneur von Minas Gerais.

Präsidentschaft

Am 3. Oktober 1955 wurde er als Kandidat einer Mitte-links-Koalition mit dem Slogan „Fünfzig Jahre Fortschritt in fünf Jahren“ mit 36 Prozent der Stimmen zum Staatspräsidenten von Brasilien gewählt. Am 31. Januar 1956 wurde er als Präsident der Vereinigten Staaten von Brasilien vereidigt.

Seine fünfjährige Präsidentschaft war tatsächlich von Fortschritten geprägt. Sein größtes Projekt war die Gründung von Brasília, der neuen Hauptstadt in der bis dahin weitgehend menschenleeren Mitte des Landes. Sie wurde am 21. April 1960 eingeweiht. Auch große Straßenprojekte wurden fertiggestellt, und die Automobilindustrie Brasiliens wurde begründet. Es gab einen Wirtschaftsboom. Dieser wurde jedoch durch den Fall des Kaffeepreises auf dem Weltmarkt Mitte und Ende der 1950er Jahre stark gebremst. Unter Kubitscheks Präsidentschaft wuchs die Staatsverschuldung Brasiliens auf vier Milliarden US-Dollar an. Kubitscheks Nachfolger wurde im Jahr 1961 der Populist Jânio Quadros.

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Albert Schweitzer

Ludwig Philipp Albert Schweitzer (* 14. Januar 1875 in Kaysersberg bei ColmarElsaß-Lothringen; † 4. September 1965 in LambarénéGabun) war ein deutsch-französischer ArztPhilosophevangelischer TheologeOrganistMusikwissenschaftler und Pazifist. Er gilt als einer der bedeutendsten Denker des 20. Jahrhunderts.

Schweitzer, der „Urwaldarzt“, gründete ein Krankenhaus in Lambaréné im zentralafrikanischen Gabun. Er veröffentlichte theologische und philosophische Schriften,[1] Arbeiten zur Musik, insbesondere zu Johann Sebastian Bach, sowie autobiographische Schriften in zahlreichen und vielbeachteten Werken. 1953 wurde ihm der Friedensnobelpreis für das Jahr 1952 zuerkannt, den er 1954 entgegennahm.[2]

web Albert-Schweitzer-Museum Günsbach

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Albrecht von Haller

Albrecht Viktor Haller, ab 1749 von Haller (auch Albert von Haller oder Albert de Haller;[1] * 16. Oktober 1708 in Bern; † 12. Dezember 1777 ebenda) war ein Schweizer ArztAnatomPhysiologe und Naturforscher (insbesondere Botaniker), Dichter und Wissenschaftspublizist in der Zeit der Aufklärung. Hallers botanisches Autorenkürzel lautet „Haller“, es ist aber auch „Hall.“ in Gebrauch.

Wegen des breiten Spektrums seiner Fähigkeiten galt Haller als Universalgelehrter. Seine Leistungen auf anatomischem und bibliographischem Gebiet waren für die Medizin von nachhaltiger Bedeutung. Daneben trat Haller als Dichter und Literaturkritiker hervor. Bleibende Bekanntheit erlangte er in diesem Bereich vor allem als Schöpfer der monumentalen Dichtung Die Alpen.

Einige seiner Fußnoten[1] verweisen auf Pflanzen, die Haller in seinem botanischen Hauptwerk, der Enumeratio methodica stirpium Helvetiae indigenarum, beschreibt[2]. Sie entsprechen den folgenden lateinischen Namen nach Linné[3]:

Botanik

  • Die Gattung Halleria L. der Pflanzenfamilie der Stilbaceae wurde zu Ehren Hallers benannt.

Astronomie

Geographie

  • Die Haller Rocks, eine Gruppe von Rifffelsen im antarktischen Palmer-Archipel, tragen seit 1960 seinen Namen.

Strasse

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