Korais wurde in Smyrna geboren, sein Vater stammte aber von der Insel Chios, und Korais fühlte sich der Insel sehr verbunden. Korais absolvierte die Evangelische Schule von Smyrna und verbrachte den größten Teil seines Lebens nicht in Griechenland, sondern in Westeuropa. Er beschäftigte sich früh mit dem Studium der alten und neuen Sprachen, lernte dann auf den Wunsch seines Vaters in Amsterdam den Beruf des Kaufmanns. Er studierte ab 1782 in Montpellier die Fächer Medizin und Naturgeschichte. Korais ließ sich im Jahre 1788 in Paris nieder, um sich ganz der Literatur zu widmen. Er ließ sich zwar in Frankreich einbürgern, blieb aber dennoch seiner griechischen Herkunft treu. Korais beschäftigte sich mit der Kirche, Schule, Wissenschaft und Politik. Von Paris aus kämpfte er mit Wort und Schrift für die geistige Wiedergeburt Griechenlands.
Adamantios Korais – Zante Ferries
Sein Hauptziel war die Heranbildung einer nationalen, griechischen Allgemeinsprache zu einer Schriftsprache; die von ihm hierfür aufgestellten Normen sind noch heute im Wesentlichen die maßgebenden. Korais versuchte das Bewusstsein der Griechen auf ihr geschichtliches Erbe, ihren hellenistischen Ursprung, zu wecken. Er stellte fest, dass die Allgemeinbildung der Schlüssel für das unabhängige Griechenland ist. Vor allem aber ist Korais für seine entscheidende Rolle in der griechischen Sprachfrage bekannt: Er versuchte einen Mittelweg zwischen der antikisierenden Hochsprache und der Volkssprache zu gehen und ging als Erfinder der Katharevousa (= die Reine; die gereinigte Volkssprache) in die griechische Sprachgeschichte ein.
Korais kritisierte in seinen Briefen und Publikationen die griechisch-orthodoxe Kirche, die das Leben seiner Landsleute im Osmanischen Reich beherrschte. Die Kirche lehnte ein unabhängiges Griechenland strikt ab. Das Fachwissen Korais über das klassische Altertum entstand durch das Studium der Ausgaben altgriechischer Schriftsteller. Seine Marmorbüste schmückt das Lykeion auf der griechischen Insel Chios, dem Korais seine wertvolle Bibliothek vermacht hat, die heutige, nach ihm benannte, Korais-Bibliothek (Δημόσια Κεντρική Ιστορική Bιβλιοθήκη Χίου Κοραή).
Adamantios Korais starb am 6. April 1833 in Paris und wurde auf dem Cimetière Montparnasse (Division 2) beerdigt. 1877 wurde er auf Wunsch des griechischen Königs Georg I. umgebettet und hat jetzt ein Ehrengrab auf dem Ersten Friedhof von Athen. 1895 wurde ihm zu Ehren an Stelle seines Grabes auf dem Friedhof Montparnasse ein Kenotaph errichtet.
Franz Anton Mesmer – in Publikationen manchmal auch Friedrich Anton Mesmer – (* 23. Mai1734 in Iznang; † 5. März1815 in Meersburg) war ein deutscher Arzt. Er führte „magnetische“ Kuren durch und begründete den animalischen Magnetismus, auch Mesmerismus genannt.
Anton Mesmer hingegen spielte im Jahr 1773 auf der Glasharmonika der Marianne Davies (in Leopold Mozarts Brief: Miss Devis).
Glassharfe | glassharp in Film „Mesmer“Print of Franz Anton Mesmer (Musée de la Révolution française)Gedenktafel an der Stelle des Palais Mesmer in der Rasumofskygasse 29 in Wien-LandstraßeDe planetarum influxu in corpus humanumBüste Franz Anton Mesmer hergestellt im Jahr 2013 durch den Bildhauer Friedhelm Zilly in der Uferanlage beim Hafen in Moos (am Bodensee) Ortsteil Iznang. Profil.Mesmer. Plastik von Peter Lenk auf der Hafenmole von MeersburgFranz Anton Mesmer
Er war Arzt und wurde daneben zu einem erfolgreichen Vertreter des dt. Singspiels der Zeit. In München ist die Schubaurstraße im Stadtteil Obermenzing nach ihm benannt.
In München ist die Schubaurstraße im Stadtteil Obermenzing nach ihm benannt[3].
Die Musik hat für viele Ärzte einen hohen Stellenwert als Ausdruck einer kulturellen Lebensart. Wer etwas Einblick hat, weiß wohl auch, wie viele Mediziner als Musikliebhaber nicht nur zuhörend, sondern selbst musizierend ihre freien Stunden verbringen. Mancher hat sich wohl auch schon als Komponist versucht. Der Münchner Hofarzt und Komponist Johann Lukas Schubaur war einer jener wenigen Persönlichkeiten, bei denen Arzt und Komponist als Beruf und als Liebhaberei eine ungewöhnliche Kombination eingingen. Das Leben und Wirken von Johann Lukas Schubaur beweist die Möglichkeit eines Einklangs von ärztlichem und musikalischem Talent. In der Geschichte der Medizin und auch in jener der Musik ist das selten. „Auf den Vorwurf, als vertrüge sich mit der ernsten Wissenschaft, wie die Medizin ist, die Übung einer Kunst nicht, die den Ärzten der Vorwelt einst so heilig und heilsam geschienen, mag ich nichts antworten. Wer so leicht urtheilen kann, dessen Kopf muß zu schwer, oder zu leicht seyn.“ Diese Sätze dachte Johann Lukas Schubaur in einer Anmerkung zum Textbuch seiner Operette „Die treuen Köhler“ jenen Kritikern zu, die offenbar die Komposition von Opern und Operetten mit dem ärztlichen Beruf als unvereinbar hielten.
Das Leben des Hofarztes und Komponisten Johann Lukas Schubaur hat manches Ungewöhnliche an sich. Er wollte Musiker werden, denn seine musikalische Begabung ermöglichte ihm zum Teil das Studium. Und er wollte offenbar Theologe werden und in einen Orden eintreten, nach dem Wunsch der früh verstorbenen Eltern wohl ebenso wie nach Meinung seiner Ordenslehrer in Schulen des Prämonstratenser-, Benediktiner- und Jesuitenordens. Diese Hoffnung hätte er sicherlich nicht enttäuscht, wenn nicht eine schwere Erkrankung dazwischen gekommen wäre. Sie stellte die Weichen in seinem Leben in eine andere Richtung und er wurde ein bedeutender Arzt. Die Allgemeine Deutsche Biographie aus dem Jahr 1891 würdigt Johann Lukas Schubaur mit folgenden Worten: „Schubaur, der sich als vortrefflicher Arzt um den Staat, ja um die leidende Menschheit seltene Verdienste erwarb, genoß seiner Gelehrsamkeit und Menschenfreundlichkeit wegen, denen sich ein tadelloser Charakter beigesellte, hohes Ansehen.“
Johann Lukas Schubaur war einer jener vielen Schwaben, die in der bayerischen Landeshauptstadt München zu höchsten Stellungen aufrückten. In Klosterlechfeld, d.h. auf dem Lechfeld südlich von Augsburg, lag seine Geburtsheimat. Sein Vater Ignaz Schubaur lebte dort als Maler und Kramer. Er war von Obergessertshausen zugezogen, hatte am 9. Januar 1749 Theresia Laicher geheiratet und von der verwitweten Schwiegermutter Maria Laicher in Klosterlechfeld für 400 Gulden deren „Gnadenhäusel“ übernommen. Am 23. Dezember 1749 ließ das junge Ehepaar einen Sohn taufen, dem die Eltern die Namen Johann und Lukas gaben. Die Taufe wurde in das Taufbuch der Pfarrei Untermeitingen eingetragen, zu der die Einwohner von Klosterlechfeld gehörten. Während der eine Großvater von Johann Lukas Schubaur, Georg Laicher, Kramer im Wallfahrtsort Klosterlechfeld war, betrieb der andere, Ignaz Schubaur, in Obergessertshausen eine Dorfwirtschaft.
Das erste Lebensjahrzehnt verbrachte Johann Lukas Schubaur in seinem Heimatort Klosterlechfeld bei den Eltern und Geschwistern. Klosterlechfeld erlebte um die Mitte des 18. Jahrhunderts die barocke Hochblüte der Maria-Hilf-Wallfahrt. Von nah und fern kamen die Pilgerzüge in den kleinen Ort, wo Franziskaner des dortigen Klosters predigten, die Beichte hörten und während der Gottesdienste die Kommunion austeilten. Die Eltern von Johann Lukas Schubaur mögen dabei mit ihrem Kramerladen ein erträgliches Auskommen gehabt haben. Den knapp 10 Jahre alten Johann Lukas schickten sie 1759 in die Klosterschule der Prämonstratenser in Roggenburg. Später wurde Johann Lukas Schubaur in das Gymnasium der Benediktiner in der Reichsabtei Zwiefalten aufgenommen, um dort den Ordensberuf zu erlernen. In Zwiefalten stand in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts die Musikpflege auf einem bemerkenswert hohen Niveau. Pater Ernestus Weinrauch, ein gebürtiger Donauwörther, der dreißig Jahre als Musiklehrer, Organist und Komponist in der Abtei wirkte, bildete eine Anzahl tüchtiger junger Musiker heran. Unter diesen Musikern befand sich der bekannte Opernkomponist Konradin Kreutzer aus Meßkirch, dessen „Nachtlager von Granada“ unvergessen ist, der Ottobeurer Klosterkomponist Pater Konrad Back und wohl auch Johann Lukas Schubaur.
Während der Studienjahre verstarben die Eltern von Johann Lukas Schubaur. Am 24. Februar 1765 starb zuerst die Mutter, die vier unmündige Kinder hinterließ. Der Vater verheiratete sich alsbald mit der Witwe Martha Miller und verpflichtete sich im Heiratskontrakt, den vorhandenen Kindern das mütterliche Erbe zu bezahlen und jedes von ihnen bis zum 16. Lebensjahr in der Heimat in Furcht und Liebe Gottes christlich zu erziehen, auch mit allen Notwendigkeiten getreulich zu verpflegen, jedem der zwei Mädchen 50 Gulden und eine standesgemäße Aussteuer zu reichen, den zwei Söhnen aber im Hinblick darauf, daß diese schon viel gekostet hatten, nur 25 Gulden zu bezahlen und dem jüngeren Sohn auf des Vaters Kosten ein Handwerk erlernen zu lassen. Ein knappes Jahr später, im Sommer 1766, starb auch sein Vater Ignaz, „gewester Maler und Cramer auf dem Lechfeld“. Die Witwe Martha verheiratete sich wieder, und zwar mit dem Schreiner Johannes Clauß aus Schwabmühlhausen. Ihrem älteren Stiefsohn Johann Lukas Schubaur schoß sie „zu seiner Bedürftigkeit“ 24 Gulden vor, außerdem erhielt er 1768 und in den folgenden Jahren Teilbezüge.
Nachdem Johann Lukas Schubaur die niederen Studien in Zwiefalten beendet hatte, besuchte er die Jesuitengymnasien in Augsburg und in Neuburg an der Donau, wo er wegen seiner großen Begabung in allen Fächern Hervorragendes leistete. Seine erste humanistische und musikalische Ausbildung als Sopranist genoß er im Jesuitengymnasium in Augsburg, das schon Leopold Mozart besuchte. Im Seminar in Neuburg förderte er den jungen Johann Evangelist Brand, der sich dort für den Musikerberuf entschied und später als Musikdirektor des Fürstbischofs von Speyer in Bruchsal sowie am großherzoglich-badischen Hof in Karlsruhe ein reges kompositorisches Schaffen entfaltete. Neuburgs reiches Musikleben und seine große ungebrochene Musiktradition war auch noch Lipowsky bekannt, der in seinem „Baierischen Musiklexikon“ in einer Abhandlung über Johann Lukas Schubaur das Neuburger Seminar mit folgenden Worten rühmte: „Das Seminar zu Neuburg, das mit seinen Eleven ein prächtiges Orchester zu besetzen im Stande war, und das Kirchen- und Kammermusiken von den ersten und neuesten klassischen Tonsetzern und Kapellmeistern mit einer bewunderungswürdigen Präzision, Feuer, Geschmack und Akkuratesse, gleich einer Fürstlichen Hofmusik, aufzuführen vermochte, das die Werke eines Händel, Graun, Bach, Sacchini, Porpora, Pergolesi, Haydn und andere Sterne erster Größe am musikalischen Horizonte kannte, würdigte, war für die scientivistische und musikalische Ausbildung des jungen Schuhbauer sehr wohlthätig.“ Johann Lukas Schubaur hatte im Neuburger Seminar somit hinreichend Gelegenheit, seine Begabungen im musikalischen Bereich zu schulen, zumal die Seminaristen nicht nur in der Hofkirche, sondern auch in den zwei Neuburger Pfarrkirchen die offizielle Kirchenmusik zu versehen hatten. In dieser förderlichen Atmosphäre studierte Johann Lukas Schubaur „die Partituren der ersten Klassiker in der Tonsetzkunst, und fing nun an Kirchenmusiken zu schreiben, die bei ihrer Aufführung allgemein gefielen, und den Kenner in Verwunderung setzten. Diese glücklich gewagten Versuche eiferten den jungen Tonkünstler an, die einmal rühmlich betretene Musikbahn zu verfolgen, und mit jedem Stücke, das er schrieb, nahm seine Komposition an Geist, an innern Gehalt, Fülle der Ideen, an Kunst, an Kraft, und richtigem tiefgedachtem Satz zu. Bald war er Meister in Behandlung der Singstimmen, und in richtiger Behandlung des Effektes der Instrumente, und so ging sein Ruf ihm weit vorher, als er nach vollendeten philosophischen Studien Neuburg verließ.“
1768 immatrikulierte sich Johann Lukas Schubaur an der Universität Dillingen und besuchte dort in den Jahren 1770 und 1771 theologische Vorlesungen. Die hochstehende Musikpädagogik der Jesuiten im Seminar St. Joseph in Augsburg, im Seminar in Neuburg a. d. Donau und nicht zuletzt bei den Jesuiten in Dillingen bot ihm jeweils die Möglichkeit, die in Zwiefalten erworbenen musikalischen Kenntnisse und Fertigkeiten zu erweitern und zu vertiefen. Er soll auch schon während der Studienjahre mit Kirchenmusik auf sein Kompositionstalent aufmerksam gemacht haben. Als Sänger und Klavierspieler übertraf er jeweils seine Mitschüler oder Mitstudenten in ihrem Können.
Die Studienlaufbahn deutete zunächst auf einen geplanten Eintritt in den Jesuitenorden hin. Diesen scheint die Aufhebung der Gesellschaft Jesu im Jahre 1773 vereitelt zu haben. Johann Lukas Schubaur verfolgte dennoch die Absicht, sein Leben einem Ordensberuf zu widmen. Er trat in die Benediktinerabtei Wiblingen vor den Toren der Reichsstadt Ulm ein und begann in ihr das Noviziat. Ein Nekrolog im „Bayerischen Intelligenzblatt für den Isarkreis“ vom 27. Dezember 1815 berichtet darüber: „Arm und hülflos betrat er den einzigen, damals für seines Gleichen vorgezeichneten Lebensweg, den geistlichen Stand im Kloster Wiblingen. Ein Anfall von Blutsturz bewies ihm, daß die Pflichten des Klosters und die Lebensweise in demselben seiner persönlichen Constitution nicht zusage, und er mußte das angetretene Noviziat verlassen.“
Nach dieser Erfahrung beschloß Johann Lukas Schubaur, Arzt zu werden. Er reiste vermutlich im Jahr 1771 nach Wien und besuchte dort an der Universität eine der berühmten medizinischen Bildungsstätten jener Zeit, wo er sich den „medicinischen Wissenschaften und der Entbindungskunst“ widmete. In Wien war er als Musiklehrer tätig, um sich sein Studium zu finanzieren. Ab dem Jahr 1773 studierte er in Ingolstadt und promovierte dort im Jahr 1784 zum Doktorgrad an der bayerischen Universität unter Befreiung von allen Steuern als Anerkennung. Seinen Lebensunterhalt verdiente er sich neben dem Medizinstudium mit Musikunterricht und kleineren Kompositionen. In Neuburg a. d. Donau, wo er frühere Wohltäter wieder fand und seine erste Ehefrau, Maria Anna Thekla Gängl, kennenlernte, begann er im Jahr 1775 seine praktische Tätigkeit in dem bis heute fortbestehenden Krankenhaus der Barmherzigen Brüder. Das dortige Zeugnis aus dem Jahr 1778 sowie jenes des kurfürstlichen Collegium medicum aus dem Jahr 1785 über seine abschließenden Prüfungen und die damit verbundene Approbation waren „umfassend, und voll von Ausdrücken einer ungewöhnlichen Auszeichnung.“
Johann Lukas Schubaur lebte damals schon einige Zeit in der bayerischen Haupt- und Residenzstadt München, wo er zuerst als Stadtphysikus wirkte und mit den führenden Tonkünstlern und Komponisten bekannt wurde. Allmählich stieg er zu den höchsten Stellen empor, die ein praktizierender Arzt erreichen konnte. Ein ärztliches Gutachten über einen damals Aufsehen erregenden „peinlichen Fall“ lenkte die Aufmerksamkeit einflußreicher Kreise auf ihn und brachte ihm auf Vorschlag des Collegium medicum die Ernennung zum wirklichen Medizinalrat ein. Im Jahr 1791 übernahm ihn der bayerische Staat in seine Dienste. „Sein Ruf als denkender, und zugleich als ein glücklicher Arzt, als Menschenfreund, als tröstender und geistreicher Freund am Krankenbett nahm jetzt schnell zu. Die vornehmsten Häuser der Stadt, so wie die Armen suchten seine ärztliche Hülfe, und daß er über den erstern die letztern nicht vergaß, bezeugt ein, unter seinen Papieren vorgefundenes, eigenes Danksagungsschreiben der Armen-Instituts- Deputation in München.“ Kurfürst Karl Theodor, der Johann Lukas Schubaur als Künstler, Gelehrten und vorzüglichen Arzt schätzte, ernannte ihn am 4. April 1792 zu seinem Hofarzt mit einem Gehalt von 400 Gulden. Ein Jahr später erhielt Johann Lukas Schubaur das sogenannte Kriminalphysikat übertragen, einen mühsamen, wenig angenehmen Aufgabenbereich, mit dem nicht nur die ärztliche Versorgung der Kriminalarreste, sondern auch die des Zuchthauses verbunden war. Dafür wurden ihm zuerst 100 Gulden, seit 1. Juni 1796 200 Gulden bezahlt. Hatte sich Johann Lukas Schubaur bisher oft jahrelang, nicht selten unter Lebensgefahr, mit der Erforschung gefährlicher Krankheiten, beispielsweise mit Verletzungen durch tollwütige Hunde, beschäftigt , so wurde er jetzt immer mehr zum Psychologen und bei der Behandlung der Gefangenen zum Psychotherapeuten. Sein psychologisches Studium faszinierte ihn so sehr, daß darunter seine Privatpraxis litt.
Eine Viehseuche veranlaßte Johann Lukas Schubaur zu dem Vorschlag der Errichtung eines Vieh-hospitals oder Kurstalles für 16 bis 20 Stück krankes Vieh. In seinem Schreiben vom 1. Dezember 1796 an den Kurfürsten empfahl er das Viehhospital, um eine genaue Kenntnis der Krankheit, die beste Art sie zu behandeln und vorzüglich um die Ohnmacht all jener Trivialmittel aufzudecken, mit denen die Zeitungen „manchen berücken“, wie er sich ausdrückte. Er wollte eine wissenschaftliche Heilart entdecken oder bestätigen, damit der Schaden verringert werden konnte. Das angeregte Tierhospital sollte in einer Stallung der Münchner Veterinärschule eingerichtet werden.
Bei einer anderen Gelegenheit trug Johann Lukas Schubaur seine Gedanken zur Neuorganisation des Medizinalwesens in Bayern vor. In einer ausführlichen kritischen Stellungnahme zum Entwurf eines Dr. Marcus, der mit der Leitung des Medizinalwesens in den fränkischen Fürstentümern beauftragt war, führte Johann Lukas Schubaur unter dem 27. Dezember 1804 über ärztliche Anstalten auf dem Lande u. a. aus: „Wir stellen den allgemeinen Satz auf : Die medizinische Hilfe soll dem Volke so nahe gelegt werden, als von der Regierung mit Billigkeit gefordert werden kann.“ Desweiteren setzte er sich für eine Vereinheitlichung des Medizinalwesens in den bayerischen Provinzen ein sowie für die Schaffung einer obersten Medizinalstelle. In jedem Landgericht sollte seiner Meinung nach eine Apotheke bestehen.
Hin und wieder trat Johann Lukas Schubaur in der Öffentlichkeit mit Aufsätzen hervor. Insbesondere verfaßte er medizinische Beiträge. Musikalische Abhandlungen in Wielands Teutschem Merkur, die ihm manche Kommentatoren zuschreiben, stammen allerdings nicht von Johann Lukas Schubaur, sondern von Joseph Schubart. Da er in späteren Jahren sein ungemein aktives Leben fast ausschließlich den Unglücklichsten aller Kranken, den Gefangenen, widmete, blieb ihm nicht viel Zeit für seine schriftstellerische Tätigkeit. Eine Metaphysik der Ärzte in lateinischer Sprache, die er wie seine Muttersprache beherrschte, blieb unvollendet.
Kurfürst Karl Theodor ernannte Johann Lukas Schubaur im Jahr 1799 zum Medizinalrat der Kurfürstlichen General-Landesdirektion. Als das medizinische Kollegium, das im Jahr 1755 aus den kurfürstlichen Leibärzten gebildet wurde , eine neue Organisation erhielt, ernannte man Johann Lukas Schubaur als Vertreter des Königlich Geheimen Rates und Leibarztes von Besnard zum Vicarius des Direktoriums. Der bayerische König Max I. Joseph übertrug ihm im Jahr 1808 die Aufgaben des ersten Medizinalrates des Königlichen General-Kommissariats des Isarkreises und zugleich des ersten dirigierenden Rates des medizinischen Comitées in München. Im Jahr 1814, nach dem Tod des Königlichen Geheimen Rates und Leibarztes von Besnard, erhielt Johann Lukas Schubaur den Titel eines funktionierenden, jedoch wirklichen Vorstandes dieses Comitées. Trotz all der wohlklingenden Titel für den ranghöchsten Arzt Münchens war die Besoldung keineswegs königlich, verständlich in der jungen Zeit des Königreiches, in der die napoleonischen Kriege die bayerische Staatskasse auf das Äußerste in Anspruch nahmen. Trotz einer Funktionszulage in Höhe von 200 fl, die ihm der König im Jahr 1814 gewährte , klingt eine gewisse Verdrossenheit des um das Medizinalwesen der Hauptstadt hochverdienten Arztes nach finanziellen Enttäuschungen im Staatsdienste in seinem Brief an das General-Kommissariat vom 9. April 1815 an, in dem er um einen Urlaub von wenigstens drei Monaten nachsuchte, „um sonach meine Arbeiten fortsetzen zu können, wenn sie anderes als das allerhöchste Wohlgefallen zu verdienen das Glück gehabt hätten, wovon ich in meinen langen Dienstjahren kein Merkmal, außer Vermehrung der Arbeit, zu erhalten die Gnade gehabt habe.“
Die erste Ehefrau von Johann Lukas Schubaur, die aus Neuburg a. d. Donau stammende Maria Anna Thekla Gängl , starb am 22. Oktober 1803 an Schwindsucht. Aus der Ehe stammten drei Töchter und zwei Söhne, von denen beim Tod der Mutter nur noch zwei Töchter am Leben waren. Im Februar 1805 entschloß sich der Witwer zu einer zweiten Heirat. In dem pflichtgemäßen Heiratsgesuch an den Kurfürsten erklärte er: „Ich hab zwey Töchter. Die Erwachsene bedarf einer Freundin, die Unmündige einer Mutter und meine Haushaltung einer Frau.“ Aus der zweiten Ehe mit Elisabeth von Mayr, der Tochter des verstorbenen Hofkammerrates Mathias von Mayr, gingen noch zwei Söhne hervor. Von den vier überlebenden Kindern machte seine Tochter Theresia Walburga durch ihr musikalisches Talent auf sich aufmerksam. Von Knechtl im Klavierspiel und vom königlichen Hoforganisten Johann Nepomuk Kalcher im Generalbaß unterrichtet, wurde sie eine ausgezeichnete Virtuosin. Im Jahr 1806 erhielt sie eine Anstellung als Kammerdienerin der Königin Karoline von Bayern, im Jahr 1810 heiratete sie den ehemaligen Hofschauspieler und damaligen Siegelamtskontrolleur Carl Hagemann aus Neustrelitz, der sich in München als Schauspieler schon einen Namen gemacht hatte, dann aber diese erfolgreich angetretene Laufbahn aufgab.
Bei seiner zweiten Vermählung war Johann Lukas Schubaur bereits 56 Jahre alt. Wenige Jahre später begann er zu kränkeln, wahrscheinlich hatte ihn sein regelmäßiger Dienst im Strafarbeitshaus überfordert. Im Juni 1810 bat er den König um die Erlaubnis, zur Herstellung und Befestigung seiner Gesundheit das Mineralbad in Bad Gastein besuchen zu dürfen. Der König gewährte ihm daraufhin einen Geschäftsurlaub von acht Wochen. Im Sommer 1811 erkrankte Johann Lukas Schubaur an seinem linken Auge. In der ersten Hälfte des folgenden Jahres mußte er „wegen einer versäumten Brust Affektion“ vier Monate das Bett und das Zimmer hüten. Am 5. Juni 1812 bat er um zwei Monate Urlaub von seinen Arbeiten am General-Kommissariat und am Medizinalkomitee, um seine zerrüttete Gesundheit wiederherstellen zu können. Der König bewilligte ihm die beantragte Dispensation von den Geschäften „in Hinsicht des von ihm stets bewiesenen großen Diensteifers.“
Im Frühjahr 1815 zwang eine abermalige Erkrankung Johann Lukas Schubaur zur endgültigen Trennung von seinen dienstlichen Verpflichtungen, „nachdem die weite Entfernung des Straf-arbeitshauses, seine Kränklichkeit, und die Opfer, die es seinen nicht ergiebig fließenden Einnahms-Quellen kostete, seinen Zurücktritt längst räthlich gemacht hätte.“ In seinem Schreiben vom 09. April 1815 an das Königliche Generalkommissariat führte er aus, durch die Errichtung neuer ärztlicher Anstalten und durch die Begebenheiten der Zeit seien seine Arbeiten im Kreise beträchtlich vermehrt worden. In gleichem Maße habe seine Gesundheit abgenommen, und er könne die ihm zukommenden Arbeiten nur mit größter Anstrengung fertigen. Deshalb suche er um drei Monate Beurlaubung nach. Während des vom König bewilligten Geschäftsurlaubs vertrat ihn der zweite Kreismedizinalrat Dr. Oeggl.
Eine vierzehntägige Diarrhöe und Koliken nahmen den Patienten im August 1815 so sehr mit, daß er ohne Hilfe weder gehen noch stehen konnte. Einem Gesuch vom 1. September 1815 um Verlängerung des Urlaubs fügte der zuständige Beamte Hofstetter, der es an die Medizinalsektion des Ministeriums des Innern weiterleitete, die Bemerkung bei, daß die gänzlich geschwundenen physischen Kräfte des so verdienten Kreismedizinalrates den nahen Verlust dieses geschickten, fleißigen und redlichen Rates befürchten ließen, weshalb ihm ein unbeschränkter weiterer Urlaub zu seiner Erholung gegeben werde solle. Der Krankheitsurlaub wurde sodann auf unbestimmte Zeit verlängert.
Johann Lukas Schubaur starb am 15. November 1815. Drei Tage später berichtete der Hofbeamte Schleich König Max I. Joseph vom Ableben des Arztes und empfahl zugleich die zahlreiche Familie, die hinterlassene Witwe und die Kinder, Seiner Majestät. In dem Schreiben sprach er vom hohen Wert des Verstorbenen, dessen Verlust schwer zu ersetzen sei, und er lobte ihn als einen Mann, „der ganz allein seiner Dienstpflicht lebte, und darüber hinaus sein und seiner Familie Interesse vergaß, ja ohngeachtet seines beschränkten Dienst-Einkommens, seinem erlaubten Nebenerwerbe freiwillig entsagte, und selbst dann noch, als sein geschwächter Körper schon lange Zeit auf das Krankenbett geworfen war, und die Hand ihm ihren Dienst versagte, Nahrung für seinen Geist, der bis auf die letzten Tage seines Lebens immer hell und lebhaft blieb, nur in seinen Dienstgeschäften stand, und zur schriftlichen Mittheilung seiner tief durchgedachten Meinungen selbst da noch die Hand eines Dritten ablehnte.“
Das Bayerische Intelligenzblatt für den Isarkreis vom 27. Dezember 1815 schließt den Nachruf für Johann Lukas Schubaur und sein „sowohl nützliches als rühmliches Leben“ mit den Worten: „Alle, die den Verblichenen aus genauem und traulichem Umgang kannten, bewunderten in ihm eine streng logische Bestimmtheit im Denken, das keine Lücke ließ in Darlegung seiner Gedanken, die überraschten, und einen Ausdruck in seinen Vorträgen, der durch die Bestimmtheit und den lakonischen Satirismen wie leuchtende Blitze das verworrene Dunkel erhellte. Seine Vorträge bleiben im Archive der gerichtlichen Arzneykunde ewig belehrende Monumente. Non omnis moritur.“
Jedoch nicht der hervorragende, erfolgreiche Arzt, der vielen Menschen half und in seinem Beruf Karriere machte, sicherte sich das Andenken der Nachwelt bis in unsere Tage hinein, sondern der Komponist Johann Lukas Schubaur, der sich mit seinen Singspielen einen ehrenvollen Platz in der Geschichte der deutschen Oper erwarb. In keinem Lexikon, in keiner Geschichte der Medizin findet sich der Name des zu seiner Zeit berühmten Arztes; wohl aber vermerken und würdigen musikalische Nachschlagewerke und operngeschichtliche Studien Johann Lukas Schubaur als beachtenswerten süddeutschen Vertreter des Singspiels in der Nachfolge Johann Adam Hillers und als einen der Wegbereiter der von französischen und italienischen Vorbildern sich befreienden eigenständigen deutschen Oper, der schon Ignaz Holzbauer in seinem „Günther von Schwarzburg“ den Boden bereitet hatte. Neben anderen zu gleichen Zielen Strebenden hat Johann Lukas Schubaur mit seinen hübschen, formenreichen und einfallsreichen Stücken sehr reizvolle und vor 1800 mit Recht freudig aufgenommene Beiträge zum Opernrepertoire jener Zeit gegeben. Daß ihr kleiner Ruhm vor Geniewerken wie Mozarts „Entführung“ und „Zauberflöte“ wieder verblaßte, daß sie längst vergessen sind und schwerlich jemals wieder neu für die Bühne entdeckt werden dürften, nimmt ihnen nichts von ihrer zeitgeschichtlichen Bedeutung. Schauplatz des großen Erfolges, den Johann Lukas Schubaur mit seinen Singspielen errang, war das Münchner Opernhaus am Salvatorplatz, die sogenannte Hof- National-Schaubühne, die 1802 abgerissen und danach in die Münchner Residenz verlegt wurde. München hatte zu der Zeit, als Johann Lukas Schubaur aus Ingolstadt kam, eine der hervorragendsten Kapellen unter den deutschen Höfen. Dies hatte seine Ursache darin, daß mit dem Tode von König Max Josef III. am 30. Dezember 1777 und dem damit verbundenen Aussterben der bayerischen Wittelsbacher Linie Bayern mit der Pfalz vereinigt wurde und Kurfürst Karl Theodor, der die bayerische Regierung am 2. Januar 1778 übernahm, mit der Verlegung seiner Residenz von Mannheim nach München auch seine berühmte Hofkapelle mitnahm.
Johann Lukas Schubaurs Erstlingswerk auf der Bühne war „Melide oder Der Schiffer“ nach einem vom ihm aus dem Französischen übersetzten Text. Das Singspiel in zwei Akten erlebte am 24. September 1782 auf der Nationalschaubühne in München seine Uraufführung und wurde am 15. Januar 1783 und 26. August 1783 wiederholt. Durch gute Beziehungen des Regensburger Hoftheaters nach München kam die Partitur mit dem vollständigen Aufführungsmaterial und einem Auszug an den Fürstlich Thurn und Taxisschen Hof, wo das Stück wahrscheinlich auch aufgeführt wurde. Die Musik der lange als verschollen geglaubten Oper blieb auf diese Weise erhalten. Über den mehr als bescheidenen Erfolg seiner Oper „Melide“ , die in München nur dreimal aufgeführt wurde, schrieb der Kritiker, Verleger und Buchhändler Johann Baptist Strobl ( 1748 – 1805 ) im „Dramatischen Censor“: „Schubaur lieferte uns schon im vorigen Jahre ein Singspiel unter dem Titel „Melide“ , welches Stück er glaublich nur in der Absicht zum Erstlinge seiner hiesigen Arbeiten mochte gewählt haben, um sich dadurch bei allen wichtigen Kennern der Musik zu empfehlen und von seinen Miteifern nicht bloß für einen alltäglichen Liederschreiber ausgepfiffen zu werden. So viel wahres Verdienst nun die Musik der „Melide“ an sich hatte, so erhielt dieses Singspiel doch vom größeren Teile der Zuhörer jenen Beifall, den es eigentlich verdiente, nicht ganz. Zudem, daß selbst der Stoff dieses Stückes für zween Dritteile unseres Publikums teils zu viel tragischen Ernst, teils zu wenig Spektakulosität hatte, so mußte leider auch die Musik fast nur für einsichtsvolle Kunstverwandte gesetzt werden.“ Strobl sah demnach den Grund für den mäßigen Erfolg der „Melide“ hauptsächlich in der zu ernsten Textvorlage. Das Publikum erwartete von einem Singspiel einen heiteren Stoff mit leichter Musik, wie sie später im allgemeinen die Operette bot.
Dieser Geschmacksrichtung kam Johann Lukas Schubaur am besten mit seinem zweiten größeren Werk, genannt „Die Dorfdeputierten“, entgegen. Den Text für dieses Singspiel schrieb Heermann nach einem Lustspiel des berühmten Venezianers Carlo Goldoni. Es gehörte zu den Dorfkomödien, welche der Zeit, in der man die Rückkehr zur Natur und zum Landleben predigte und in der man die Unterschiede der verschiedenen Gesellschaftsklassen darlegte, ihr besonderes Gepräge gaben. Die Uraufführung fand, nur etwa ein halbes Jahr nach der „Melide“, am 8. Mai 1783 an der Münchner Nationalschaubühne statt. Das Stück wurde zu einem großen Erfolg und eroberte sich in einer für die damaligen Verhältnisse außergewöhnlichen Serie zahlreiche Opernbühnen, zuerst die in Mannheim und in Regensburg, dann Salzburg ( 1785 ) und Nürnberg ( 1787 ), Hannover ( 1787 ), am kurtrierischen Hof zu Koblenz ( 10.12.1787, 15.10.1788 und 1791 ) , in Amsterdam ( 1791 ), Bonn ( 1792 ), Köln ( 1793 ), Frankfurt am Main ( 1793 ), Leipzig ( 1795 ), Würzburg ( 1807 ), Basel ( 1809 ) und wahrscheinlich noch andere. Die beliebte volkstümliche Oper behauptete sich mehr als drei Jahrzehnte im Repertoire der deutschsprachigen Theater. Allein in München hielt sie sich mit mehr als 100 Vorstellungen dreißig Jahre im Spielplan der Oper. An der Nationalschaubühne wurden „Die Dorfdeputierten“ in den Jahren 1783 bis 1796 38 mal aufgeführt. Kurfürst Karl Theodor gewährte dem Komponisten für das liebenswürdige Werk einen jährlichen Ehrensold in Höhe von 300 Gulden.
Worin lag das Geheimnis dieses Erfolges? Für „Die Dorfdeputierten“ stand ein ansprechendes Textbuch zur Verfügung, das vor und nach Johann Lukas Schubaur auch andere Komponisten zu Vertonungen gereizt hat. Es stellte eine jener Dorfkomödien dar, wie sie damals in Mode waren. Bei der musikalischen Bearbeitung zeigte Johann Lukas Schubaur eine glückliche Hand. Der Münchner Buchhändler und Kritiker Johann Baptist Strobl, ein eifriger Befürworter einer deutschen Oper, schrieb dazu: „Vorzüglich zeichnet sich Herrn Schubaur´s Komposition durch ihre regen Melodien und eine aufrichtig empfundene und in allen ihren Abstufungen echt getroffenen Deklamation aus; und was uns Herrn Schubaur nach unserem Urteile noch bedeutender macht, sein ganzes Werk ist durchgehends in Sang und Gang und Akkompagnement deutsch und rein national, ganz nach dem unverbesserlichen Stile, den sich in unserem Deutschland der verdienstvolle Hiller zuerst eigen machte und womit Herr Schubaur in unserem Vaterlande vielleicht ein ganzes Heer französischer Tändeleien und italienischer Schwärmereien herabgewürdigt haben mag, und wir deswegen sehr wünschen, Herr Schubaur möchte das unverdorbene deutsche Produkt auf Praenummeration auch in Klavieraushang herausgeben.“ Diesen Wunsch erfüllte Johann Lukas Schubaur alsbald, und noch im selben Jahr erschien ein Klavierauszug im Selbstverlag, dessen Vertrieb der gebürtige Donauwörther Buchhändler und Zeitungsverleger Lorenz Hübner übernahm. Hübners Ankündigung in der Zeitschrift „Magazin der Musik“ lautete: „Wir ergötzen uns seit zwei Monaten auf hiesiger Hofschaubühne an einem deutschen Singspiele. Es sind die bekannten „Dorfdeputierten“. Wirklich liegt im Sujet viel komische Laune und etwas von jener Art Posse, die auch jedes gesittete Publikum mit Vergnügen seiner Schauspielerschaft erlaubt. Nun zu diesem ohnehin ganz launichten Stücke, hat ein hiesiger Musiker, der sich schon durch einige Jahre in der Kunst zu Komponieren übte und unter uns durch die schöne Musik in der „Melide“ oder „Der Schiffer“ bekannt, ein geborener Bayer, Schubaur, eine ganz deutsche im herrlichsten Liederstil und mit ganz eigener Laune verfertigte Musik verfaßt. Ich kann zu Zeugen die bekanntesten Kenner der Musik anführen, worunter der Herr Freiherr von Kospoth, der sich seit einiger Zeit auf seiner Reise nach Venedig und Turin hier befand, genannt zu werden verdient, welche alle öffentlich bekannt haben, daß dies Singspiel den ersten von Europa gleich gehalten zu werden verdiene: wenn es nicht gar wegen Neuheit des darin herrschenden Geschmacks für Deutschland eine originelle, ganz neue Erscheinung genannt werden sollte. Seit der kurzen Zeit seines Daseins ist selbiges schon fünfmal nach einander gegeben und wieder begehrt worden, welches hier etwas sehr seltenes ist, und man wünscht selbes von Zeit zu Zeit immer wieder zu sehen, gleich wie auch beinahe keine Feierlichkeit ist, die man nicht damit zu verherrlichen wünscht. Herr Schubaur hat nun auf dringendes Ersuchen des hiesigen hohen Adels sowie als aller musikliebenden Freunde sich entschlossen, dies schöne Singspiel im Klavierauszuge, mit allen Stimmen, wovon er sogar die Duetten auf eine Singstimme reduziert hat, gegen Praenummeration herauszugeben. Der ganze Preis ist 1 Dukaten in Reichsmünze oder fünf Gulden, den Gulden zu 650 Kreuzern gerechnet.“
Mehr als zweihundert Jahre nach der letzten Aufführung wurden die “ Dorfdeputierten “ durch das Landvolktheater Halsbach aus ihrem Dornröschenschlaf erweckt und in der Zeit vom 7. September 2001 bis 21. September 2001 immerhin sechsmal aufgeführt.
Der anhaltende Erfolg der „Dorfdeputierten“ wiederholte sich bei keinem der beiden noch folgenden Singspiele Schubaurs. Weniger Anklang fand „Das Lustlager“ , eine Komödie, die im soldatischen Milieu angesiedelt war. Die Komödie „Das Lustlager“ wurde am 4. August 1784 in München uraufgeführt und an der Nationalschaubühne noch dreimal aufgeführt. Aus einigen Bemerkungen in den Aufführungsberichten kann man schließen, daß ein bei München aufgeschlagenes Feldlager den Anlaß zum Entstehen dieses Singspiels gegeben hat. Das schwache Textbuch von Joseph Marius Babo, der von 1799 bis 1810 Intendant der Münchner kurfürstlichen Theatergesellschaft war , trug hauptsächlich zu dem Mißerfolg bei. Aber auch Schubaurs Musik soll bis auf ein Lied wenig neu und originell gewesen sein. Dies läßt sich allerdings nicht mehr nachprüfen, weil die Musik verschollen ist. Die Komödie „Das Lustlager“ wäre weitgehend unbekannt, wenn es nicht darüber zu einem öffentlich ausgetragenen Meinungsstreit zwischen zwei Kritikern gekommen wäre, aus dem man einiges Interessante erfahren kann. Den Anlaß gab der Aufführungsbericht, der in der Münchener Zeitung vom Juni 1784 erschien und folgenden Wortlaut hatte:
„Da dieses Theaterstück eine Zeitpiece ist und daher in sehr kurzer Zeit fertig werden musste, so wird jedermann leicht einsehen, dass es der Verfasser mit guter Anlegung und Ausführung des Planes sowohl als mit Ausarbeitung des Dialogs und der Arien nicht so genau nehmen konnte. Meister Hammer, ein Schuhmacher, kommt mit seiner teuren Gemahlin ins Lustlager. Dort liebäugelt und schäkert sie mit den Soldaten, denen sie von Herzen günstig ist und beredet ihn endlich mit Hilfe derselben aus Absicht dahin, dass er sich selbst als Soldaten anwerben lässt. Hierin besteht der erste Akt. Im zweiten Akt kommt die Reue, sowohl auf Seiten des Mannes als der Frau : man jammert, seufzt, beratschlagt sich, was nun zu tun sei : Frau Hammer geht endlich zum Hauptmann, die Loslassung ihres Mannes zu erbitten und erhält sie auch um so mehr, da man gewöhnlich keinen beweibten Mann zum Soldaten aufnimmt. Mitunter kommt auch eine Episode vor. Man sieht wohl, dass die Episode, die nicht einmal ganz ausgeführt ist, nicht notwendig mit in den Plan gehöre und dass man sie weggeben könnte, ohne das Ganze zu trennen. Die Charaktere stehen untereinander sehr gut ab, und die Art, sie auszuführen, verrät einen Mann, der, wenn er darauf hinlänglich Zeit und Aufmerksamkeit verwenden will, etwas vortreffliches liefern kann. Die Sprache ist den Charakteren grösstenteils angemessen und an Laune und Munterkeit fehlte es in diesem Stücke nicht. Die Poesie in den Arien ist aber äusserst matt, ihr Inhalt zuweilen gar zu trivial und die Versifikation hart. Auch befinden sich einige gute Arien darunter, unter welchen folgende des Schusters Hammer gewiss die beste ist: Wenn ich ein paar Stiefel mach, so denk ich an das Ross etc.“
An dieser immerhin wohlwollenden Kritik hatte ein anderer Kritiker Anstoß genommen und sich darüber empört, daß man noch öffentlich dieses „unmoralische, zotenhafte Produkt “ in Schutz zu nehmen wagte. In einer anonym gedruckten Broschüre mit dem Titel „Unparteiische Beurteilung der Münchener Hof- und Nationalbühne bei Gelegenheit der aufgeführten deutschen Operette „Das Lustlager“ zur Rettung der Ehre der Bühne sowohl als des Publikums “ entwickelt er dieselben Gedanken von der Schaubühne als moralische Anstalt, wie es früher Strobl in seinem „freundschaftlichen Briefe an die Schauspieler in München“ aus Anlaß der Aufführung von Winter´s „Paris und Helena“ getan hatte. Bevor der anonyme Kritiker sich mit der Operette „Das Lustlager“ näher beschäftigt, bespricht er sämtliche Mitglieder des Hoftheaters vom Intendanten, von Josef Graf von Seeau bis zu den Orchestermitgliedern, lobt sie fast alle, damit der Leser um so mehr die Schmach empfindet, die darin besteht, daß man diesen „verdienstvollen Schauspielern und Schauspielerinnen“ zumutet, in einem Theater, das nach Wien zu den führenden in Deutschland gehörte, ein solches Stück wie die Operette „Das Lustlager“ aufzuführen. Wörtlich fährt er fort:
„Das Lustlager“ , dieses herrliche Produkt von Zoten und moralwidrigen, seichten Possen, dieses hat die Ehre gehabt, dahier aufgeführt zu werden. Herr Schubaur, ein junger Arzt, der aber nebst dem Recipe sich auch an Apolls Leyern ergötzt, machte die Musik zu diesem Stücklein Arbeit. Schon als Verfasser der „Dorfdeputierten“ war er bekannt, die Musik, die durch das herrliche Spiel der hiesigen Schauspieler unendlich viel gewonnen hat, gefiel ungemein und wirklich, war sie dem Charakter der handelnden Bauern angemessen, in der reinsten Sprache der Natur machte sie Herr Schubaur singen. Die Musik machte dem Verfasser Ehre, und das Publikum lässt seinem Verdienste Gerechtigkeit widerfahren. Nun hat aber der gute Herr Schubaur das Unglück, über ein Stück zu kommen, das nicht einmal des Lesens, viel weniger einer Musik wert war. Doch er machte diese Musik, ohne die Güte des Stückes zu untersuchen, sein Kopf war aber, wie es scheint, noch voll von den „Dorfdeputierten“ , denn siehe da, die Musik, auf die sich ein ganzes Publikum schon manchen Monat gefreut hatte, war beinahe ganz die der „Dorfdeputierten“ , nur ein Chorus und die Schusterarie waren neu und nicht übel, das übrige war eine gewärmte, sehr mager geschmolzene Suppe, zu der ich dem, der sie sich will schmecken lassen, einen wohlbehaglichen Appetit wünsche. Das Stück selbst, so ist dieses zotenvolle, ohne Plan angelegte Sitten und guten Geschmack verderbende Stückarbeit, soweit unter der Kritik, dass ich es wahrlich nicht in meine Feder genommen haben würde, wenn ich es nicht zur Rettung der Ehre der hiesigen Hof- und Nationalbühne und des Publikums für nötig zu sein befunden hätte. Allein, die Welt muss wissen, dass der Geschmack in Bayern nicht so verdorben ist, um einem Stück Beifall zu geben, das bloss für den Friseur zu Papillrollen, nicht aber für eine gesittete deutsche Bühne gehört.“
Der anonyme Kritiker schließt dann seine Schrift mit einem persönlichen Angriff auf Johann Baptist Strobl, dem man wohl die erste Kritik in der Münchner Zeitung zuschreiben muß.
Dieser Angriff blieb natürlich nicht ohne Erwiderung. In einem längeren Artikel in der Münchner Zeitung gibt Strobl zu seinem ersten Bericht einige Erläuterungen und schwächt in manchen Punkten sein wohlwollendes Urteil etwas ab. Im großen und ganzen aber behauptet er seinen anfangs eingenommenen Standpunkt. Auf den Angriff auf Johann Lukas Schubaur geht er nicht näher ein, sondern überläßt es dem Komponisten, sich selbst zu rechtfertigen, was jedoch nicht geschah.
Nochmals einen bemerkenswerten Erfolg erzielte Johann Lukas Schubaur mit seiner am 29. September 1786 im Münchener Nationaltheater uraufgeführten Oper „Die treuen Köhler“ , die sich bis zum Jahr 1790 im Münchener Spielplan hielt und auch in Mannheim einstudiert wurde. Das Textbuch stammte wieder von Heermann, der ihm auch die Vorlage für die „Dorfdeputierten“ geliefert hatte. Die Oper knüpft an die historische Begebenheit des sächsischen Prinzenraubs im Jahr 1455 an und damit zugleich an die Sage von dem Köhler Georg Schmidt, genannt Triller, der einen der jungen Prinzen aus den Händen des Entführers Kunz von Kaufungen, der sich durch die Entführung der Söhne des Kurfürsten Friedrich II. von Sachsen als Geisel sein vermeintliches Recht auf die Herausgabe von Gütern erzwingen wollte, befreit haben soll. In seinem Vorwort zum Textbuch berichtete Schubaur selbst: „Ich wählte mir diese Operette für meine Nebenstunden vorzüglich darum, weil sie von dem Verfasser der „Dorfdeputierten“ ist. Die Gabe, eine naive Empfindung wohl auszudrücken, oder kleine Gemälde von Gegenständen, die bei allen Anscheine des Gemeinen, nichts weniger als leicht zu malen sind, in fließenden Versen vorzutragen, besitzt er in hohem Grade.“ Trotz dieses Lobes besaß das Libretto erhebliche Mängel, vor allem fehlte der Handlung ein fesselndes und dramatisches Geschehen. Deshalb erlebten „Die treuen Köhler“ nur noch Aufführungen in Mannheim ( 1789 ). Für die Musik, für die Johann Lukas Schubaur mehr Zeit und Sorgfalt als beim vorhergehenden Stück aufgewendet hatte, erntete der Komponist in den überlieferten Rezensionen freundlichen Beifall. Die „Münchener Zeitung“ vom 3. Oktober 1786 berichtete über das Bühnenereignis an bevorzugter Stelle: „Herr Dr. Schubaur hat unserer Schaubühne abermals ein angenehmes Geschenk durch seine vortreffliche Musik zu dem Singspiel „Die treuen Köhler“ gemacht. Diese Musik zeichnet sich wie die Musik der „Dorfdeputierten“ durch die innige Charakterisierung der handelnden Personen und durch den Fleiß aus, mit dem er sich in die Poesie hineindenkt. Die empfundenen Gedanken des Dichters sind genau durch die gedachte Empfindung des Komponisten ausgedrückt. Die Begleitung der Instrumente ist ebenso simpel als gefällig und malerisch. Sie umschwebt nur das Lied, wie das Gewand eine griechische Grazie. Auch die Schauspieler und Schauspielerinnen verdienen wegen der sehr guten Aufführung dieses Stückes öffentlich gerühmt zu werden.“ Die „Pfalz-bayerische Muse“ vom November 1786 widmete dem Stück eine noch eingehendere Besprechung und gelangte darin zu der Feststellung: „… sehr glücklich behandelt er das Naive, ein Meister scheint er für die Idylle geboren zu sein.“ In der Tat steht bei diesem Singspiel die zu jener Zeit beliebte Neigung zum Idyll im Vordergrund.
Johann Lukas Schubaur brachte auch von diesem Stück im Selbstverlag einen Klavierauszug heraus und widmete darin „Die treuen Köhler“ der Kurfürstin Maria Amalia mit folgenden Worten:
„Durchleuchtigste! Dieses ist das Gemälde, welches der Dichter von der regie- renden Fürstin aufstellt, die zur Zeit des in diesem Singspiel abgehandelten Vorfalls Sachsens Thron verherrlichte; er zog die Idee aus der Geschichte ab, und borgte die Farben von der Wahrheit, – Farben die nie verbleichen, nie auswittern. Die Fürstinnen Ihres erhabnen Hauses müssen die benannten Tugenden mit Blumenketten an sich gefesselt haben, dann seit einer langen Vererbung blühen sie noch unverwelkt bey Ihnen. Auch an Euer Durchlaucht kennt, schäzt und bewundert die Welt sie alle. Wie glüklich würde ich sein, wenn meine Musik nur den Umriss der Empfindung bezeichnen könnte, die mich bey solchen Gedanken durchdrang. Ich kann nichts bessers thun als mit dem Dichter Ihrem und unserm Vaterlande zu ruffen: Ihr alle hier wünscht Freunde, wünscht mit mir der besten Fürstinn langes Leben. Euer Durchleucht. Unterthänigst gehorsamster Lukas Schubaur.
Johann Lukas Schubaur mag sich vordergründig mit seinen vier Singspielen bekannt gemacht haben, die er für die Opernbühne geschrieben hat. Mindestens ebenso bedeutsam sind jedoch seine sechs Sinfonien, die er vor 1790 komponiert hatte und deren Urheberschaft lange unklar war. Diese sechs Sinfonien gehören zum Bestand der Fürstlich Thurn und Taxis`schen Hofbibliothek in Regensburg, die dort unter dem Namen „Schubaur“ katalogisiert sind. Wie und wann die sechs Sinfonien nach Regensburg gekommen sind, läßt sich mit letzter Sicherheit nicht mehr erforschen. Als mögliche Tradierungsstationen für die Sinfonien von Johann Lukas Schubaur kommen vor allem der Oettingen-Wallerstein`sche und der Münchner Hof in Frage, mit denen der Regensburger Hof engere Beziehungen hatte. Eine sehr innige familiäre, gesellschaftliche und daher auch künstlerische Verbindung bestand seit etwa 1775 vor allem zwischen dem Hof von Regensburg und dem Hof von Oettingen-Wallerstein. Der Oettingen-Wallerstein`sche Hof hatte daher dem Regensburger Musikdepartment viele musikalische Werke zur Abschrift überlassen. Ähnlich wie die drei Haydn-Sinfonien, die Haydn nachweislich an den Fürsten Kraft Ernst zu Oettingen-Wallerstein geschickt hat und deren Abschrift auch zum Bestand der Thurn und Taxis`schen Bibliothek gehört, könnten die Kompositionen von Johann Lukas Schubaur von dort zur sogenannten Kopiatur nach Regensburg gekommen sein. Diese Vermutung läßt sich allerdings schwer beweisen, da die Oettingen-Wallerstein`sche Bibliothek kein einziges Werk von Johann Lukas Schubaur in ihrem Besitz hat.
Wesentlich wahrscheinlicher ist, daß die Sinfonien von Johann Lukas Schubaur über München nach Regensburg gekommen sind. So reiste zum Beispiel Theodor Freiherr von Schacht, der um 1790 den bereits erwähnten „Catalogus sämtlicher Hochfürstlich Thurn und Taxischen Sinphonien“ verfaßte, vor Vollendung seines Werkes einmal nach München, um sich dort in seiner Arbeit als Intendant der fürstlichen Hofmusik „von dem Münchener Intendanten Joseph Anton Graf von Seeau ( 1713 – 1799 ) beraten“ zu lassen und „von ihm Anregungen zu empfangen“. Auch wenn Theodor Freiherr von Schacht von diesem Besuch kein Notenmaterial mitgebracht haben sollte, lassen sich doch die engen Verbindungen zwischen München und Regensburg – bezogen auf das Ausleihen von Notenmaterial – leicht nachweisen. Franz Marius von Babo, der den Text für das Singspiel „Das Lustlager“ geschrieben hatte, unterbreitete Theodor Freiherr von Schacht in einem Brief folgendes Angebot, das auf die damals übliche Praxis in der Ausübung des Urheberrechts und der Vervielfältigung von Musikalien schließen läßt. In dem Brief heißt es: „Die Musik zu „Reinhold und Armida“ kann ich Ihnen Excellenz nur auf 8 Tage zum schnellen Copiren geben, denn Capellmeister Winter hält diese seine Arbeit ausserordentlich theuer, so dass ein Ankauf bis jetzt gescheitert ist.“ Für derartige Kopien hatte die Regensburger Hofkapelle wie auch die anderen Höfe jener Zeit Hofmusiker oder eigene Hofkopisten, die vorrangig für das Vervielfältigen von Notenmaterial zuständig waren. Die Sinfonien von Johann Lukas Schubaur, die sich bei den Beständen der Fürstlich Thurn und Taxis´schen Hofbibliothek in Regensburg befinden, sind daher mit einer hohen Wahrscheinlichkeit Vervielfältigungen der ursprünglich für den Münchner Hof komponierten Sinfonien.
Ob Johann Lukas Schubaur auch die Operetten „Rosalia“ , „Der Gasthof zu Genua“ , „Die Landplagen“ und „Das blaue Ungeheuer“ komponierte , kann nicht mehr zweifelsfrei nachgewiesen werden und scheint eher unwahrscheinlich. Gerber, der in seinem Historisch-Biographischen Lexikon der Tonkünstler für die Jahre 1790 – 1792 hiervon noch ausgeht, wiederholt diese Behauptung im gleichnamigen Werk für die Jahre 1812 – 1814 nicht mehr.
Nachdem Johann Lukas Schubaur in seinem vierten Lebensjahrzehnt innerhalb von etwa fünf Jahren vier Werke für die Opernbühne sowie sechs Sinfonien geschrieben hatte, verzichtete er auf eine weitere musikalische Tätigkeit und trat nur noch gelegentlich mit Kompositionen an die Öffentlichkeit. Nachgewiesen sind von ihm außer den Singspielen und den Sinfonien weltliche und geistliche Musik, ein Konzert und Sonaten sowie aus dem ehemaligen Musikalienschatz des kurtrierischen Hofes zu Koblenz vier lateinische Motetten („Dixit Dominus“ – „Laudate pueri“ – „Lauda Jerusalem“ – „Magnificat“). Ein großes Chorwerk, die Vertonung des 106. Psalms nach einer Übersetzung von Mendelssohn, gelangte im Jahr 1807 in einem Hofkonzert und in einer Musikakademie zur Darbietung. Es brachte dem Komponisten Johann Lukas Schubaur in seinen späteren Jahren nochmals die Anerkennung der Musikfreunde in der bayerischen Hauptstadt ein. Dieses ca. 1780 entstandene Werk wurde unter dem Patronat des Fürsten von Thurn und Taxis am 23. April 1791 in der Regensburger Augustinerkirche aufgeführt. Bei den Musikhandschriften der Theatinerkirche St. Kajetan in München befindet sich schließlich ein Gesangbuch mit „Melodien zum allgemeinen Gebrauche in den königlichen Elementar- Volksschulen zu München“ aus dem Jahr 1812, das u.a. einen Notensatz von Johann Lukas Schubaur enthält.
Die zahlreichen geistlichen und weltlichen Kompositionen von Johann Lukas Schubaur lassen sich nach dem derzeitigen Forschungsstand wie folgt zusammenfassen (siehe Werkeliste in Wikipedia-Artikel!
Johann Lukas Schubaur verdient zweifellos Beachtung als Angehöriger jener Komponistengeneration des späten 18. Jahrhunderts, die einer eigenständigen deutschen Oper zum Durchbruch verhalf. Seine Musik vereinigt in glücklicher Weise „schlichte Lieder-Volkstümlichkeit mit reicher künstlerischer Gestaltung in Arien und Ensemblesätzen. Dabei zeichnen sich „Die Dorfdeputierten“ durch eine besondere Frische der melodischen Erfindung und viel drolligen Humor aus. Seine Zeitgenossen wußten Schubaurs Begabung für das Naive und Idyllische ebenso zu rühmen wie seine Gabe dramatischer Charakteristik.“ Der Erfolg seines Hauptwerkes wurde zu seiner Zeit nur durch den Erfolg der „Zauberflöte“ und des „Freischütz“ übertroffen. Dabei war aber Johann Lukas Schubaur kein Berufsmusiker wie Mozart und Weber, sondern eigentlich ein Dilettant in jenem Sinne, wie sein Zeitgenosse Goethe einen echten Liebhaber der schönen Künste bezeichnete. Seiner Liebhaberei wandte er sich mit Leidenschaft in den Studienjahren und danach als praktizierender Arzt noch etwa ein Jahrzehnt zu, dann griff er offenbar nur noch gelegentlich zu Notenblatt und Feder. Seine wachsenden ärztlichen Verpflichtungen ließen ihm kaum mehr Zeit für größere Tonwerke.
Author: Wolfgang Schubaur (Ur-Ur-Enkel oder mehr Ur…. des Komponisten)
Wegen des breiten Spektrums seiner Fähigkeiten galt Haller als Universalgelehrter. Seine Leistungen auf anatomischem und bibliographischem Gebiet waren für die Medizin von nachhaltiger Bedeutung. Daneben trat Haller als Dichter und Literaturkritiker hervor. Bleibende Bekanntheit erlangte er in diesem Bereich vor allem als Schöpfer der monumentalen Dichtung Die Alpen.
Einige seiner Fußnoten[1] verweisen auf Pflanzen, die Haller in seinem botanischen Hauptwerk, der Enumeratio methodica stirpium Helvetiae indigenarum, beschreibt[2]. Sie entsprechen den folgenden lateinischen Namen nach Linné[3]: