Sebastian Obermaier

Sebastian Obermaier war PriesterDoc, ArchitektenDoc und viel mehr

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Sebastian Wilhelm Obermaier Mayer, kurz Pater Sebastian (Padre Sebastian), (* 24. Oktober 1934 in Rosenheim; † 2. August 2016 in El Alto[1]) war ein deutscher römisch-katholischer Missionar in Bolivien, wo er in der Gegend von El Alto praktisch als Arzt, Architekt, Politiker und Wohltäter 34 Schulen und 72 Kirchen erschuf.

Der 1934 in Rosenheim als drittes von sechs Kindern geborene und 1959 in Freising zum Priester geweihte Obermaier war zunächst von 1966 bis 1978 in Venezuela tätig, ab 1978 in El Alto/La Paz in Bolivien. Er baute dort die Pfarrei „Cuerpo de Cristo“ (Leib des Herrn) im Stadtteil El Alto auf, der heute eine eigene Millionenstadt aus Landflüchtigen ist.

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Er habe dort „härteste Missionarsarbeit“ geleistet, berichten Weggefährten. Anfangs habe er sich vorrangig um die medizinische Versorgung der Bevölkerung gekümmert. „Es war Entwicklungshilfe im wahrsten Sinne des Wortes, zu Beginn hat er die Hälfte seiner Zeit praktisch als Arzt gearbeitet“, sagt sein jüngerer Bruder Hans Obermaier.

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Auf Sebastian Obermaiers Initiative hin wurden für die Ärmsten der Armen zahlreiche Schulen, soziale Einrichtungen, Kindergärten gebaut – und auch 72 Kirchen. In Bolivien war er für die politisch Verantwortlichen ein wichtiger Ansprechpartner. So vermittelte er im Jahr 2003 bei Unruhen in El Alto, die viele Tote und Verletzte forderten, unter Lebensgefahr zwischen den Fronten, barg verletzte Menschen während bewaffneter Auseinandersetzungen und brachte sie ins Krankenhaus.

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Obermaier begann seinen priesterlichen Dienst als Kaplan in Ebersberg-St. Sebastian (1959 bis 1962) und in München-St. Augustin (bis 1965), bevor er 1966 als Seelsorger nach Venezuela ging. 1978 erfüllte sich, wie er es selber formulierte, sein „eigentlicher Wunsch“: Er wurde Missionar in Bolivien. (kel)

Padre Sebastian wurde geboren am 24.10.1934 in Rosenheim, als 3. von 6 Kindern. Als der Vater 1949 völlig unerwartet starb, war Sebastian noch Schüler am Gymnasium. Die Mutter mit ihren 6 Kindern -noch nicht alle schulpflichtig – stand nun plötzlich mit einer sehr kleinen Rente allein da; – Kindergeld gab es noch nicht. Sebastian als „ältester“ Sohn fühlte sich sofort für die Familie mitverantwortlich. Sein Studium verdiente er sich selbst – Stipendien und ähnliches gab es damals auch noch nicht – und zwar bewusst unter Arbeitern: z. B. in einer Graugussgießerei, in einem Seemannsheim in Hamburg, im Bergwerk Penzberg als Hauer auf Knien, usw. – Für sich selbst brauchte er kein Geld, er versuchte Mutter und Geschwistern zu helfen, beizustehen, sie nicht zu belasten. 1949 Priesterweihe im Dom zu Freising, dann Kaplan in Ebersberg, in St. Augustin/München und schließlich am Hasenbergl in München. Sein Wunsch, in die Mission zu den Indios nach Südamerika gehen zu dürfen, wurde vom Bischof nicht erfüllt, er könne aber in Venezuela Pfarrer für alle Deutschen in ganz Venezuela werden. Nach 12 Jahren Aufbauarbeit in seiner „Pfarrei Venezuela“ mit Sitz in Caracas, durfte Padre Sebastian mit Zustimmung seines Bischofs von München wunschgemäß im Jahr 1978 endlich als Missionar zu den Indios nach Bolivien. Dort fand er über der Stadt La Paz auf 4.000 m Höhe eine weite Hochebene (El Alto) vor: karg, unendlich weit, zersiedelt mit Lehmhütten – ohne jede Infrastruktur: kein Wasser, kein Strom, keine Straßen, kein Arzt, keine Schulen, usw. – oft ein eisiger Wind. So ging er auf die Straße mit seiner Gitarre. Nach wenigen Tagen hatte er 7 Leute gefunden, mit denen er formgerecht für die kommunale Verwaltung seine 1. Pfarrei gründen konnte. Inzwischen ist aus dieser Pfarrei und der riesigen, weiten, weiten Hochebene die neue Millionenstadt El Alto geworden, eine Stadt aus „Landflüchtlingen“. Die ersten Kontakte mit den Indios waren nicht einfach, die Indios eher verschlossen und zurückgezogen – erst allmählich kam Vertrauen.
Zuerst kamen sie: „Padre, ich habe Zahnweh“. – Ich bin kein Zahnarzt. –„Der Medizinmann hilft uns auch“. –Anfangs half Padre Sebastian mit Tabletten, dann aber musste er
wirklich tätig werden: Mit Feuerzeug und Taschenmesser; d.h. die Klinge des Taschenmessers wurde mit dem Feuerzeug sterilisiert, mit der Klinge wurden die Zähne vom Belag befreit; -Erste Hilfsmaßnahmen! Dann aber mussten auch Zähne gezogen, später plombiert werden. Die Instrumente und Einrichtungsgegenstände dazu wurden von Zahnärzten aus Bayern gespendet, Sebastians Geschwister sorgten für den Transport nach Bolivien. Er musste aber auch helfen, wenn es bei Geburten Schwierigkeiten gab. Wenn die Frauen bei der gegenseitigen Hilfe Probleme bekamen, wurde der Padre geholt und wurde so ungewollt in weit über 100 Fällen zum Geburtshelfer. Nach viel Aufbauarbeit und über viele Provisorien hinweg – aus den verstreuten Hütten ist in knapp 30 Jahren die Millionenstadt El Alto geworden – stehen heute von ihm erbaute und finanzierte Schulen (über 30), Kindergärten, Jugendheime, Räume für Berufsausbildung, ein Gesundheitszentrum, das fast fertige Bildungshaus und das Altenzentrum den Menschen vor Ort zur Verfügung. – Inzwischen zieht der Staat nach und übernimmt auch selbst Stück für Stück Verantwortung. Als „Baureferat“ (als Einzelperson ohne Finanzausstattung) war er bis vor kurzem zuständig für den Bau von Kirchen und Pfarrzentren für die Diözese El Alto. Vom damaligen Staatspräsidenten wurde er – im Rang eines Ministers – beauftragt, die Stadtplanung von El Alto durchzuführen, später auch mit der Überarbeitung des bestehenden Stadtplans von La Paz. Im „Gaskrieg“ 2003 wurde er von der Presse Boliviens zum „Mann des Jahres“ gewählt, weil er mutig unter Lebensgefahr – alleine mit dem Sanka und im Messgewand – im Kugelhagel zwischen den Fronten die Verwundeten aller Kriegsparteien herausholte und ins Krankenhaus transportierte. Schon vorher wurde er von Deutschland mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Derzeit machen dem Padre besonders folgende Einrichtungen finanzielle Sorgen: 5 Kindergärten, ein Haus für Behinderte, „Casa del Niño“ (Haus für geschändete Kinder), das gerade erweiterte Altenzentrum und der Fernsehsender, der auf „Digital“ und Satellit umgestellt werden muss. Das alles muss funktionieren. –Hauptanliegen ist dem Padre aber die Seele,das Zentrum des Menschen: die Bildung des Herzens, das Erzählen von Gott, die Seelsorge und der gemeinsame Gottesdienst.
Auch das Jodeln verlernte Obermaier nie.

 

Kontaktadresse zur Unterstützung seines Werkes:
Hans und Carola Obermaier, Zeisigweg 30, 83026 Rosenheim
Tel.: 08031-3043632, Fax 08031-3043633, E-mail: carola.obermaier@gmx.net

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